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Ein passendes Recording Studio – Teil 3

Im Teil 2 habe ich über meine Erfahrung  mit der Musikproduktion und der Zusammenarbeit mit Profis gesprochen, doch was hat mich dazu geführt, das neue Album im Home-Studio zu produzieren?

In diesem Beitrag möchte ich mit euch ein paar Gedanken über Home-Studios teilen und warum wir uns entschieden haben, alles selbst zu machen.

Nach ein paar Auftritten, die nicht besonders gut gelaufen sind, und nachdem wir uns mit dem Schlagzeuger verabschieden haben, wollte ich die Pause machen und mich auf das neue Material und die Produktion konzentrieren. Außerdem war das eine gute Gelegenheit, meine Gesangstechnik zu verbessern.

Die Fragen waren dieselben – wo? wann? wie? und wieviel Geld wird das kosten?  Und schon wieder habe ich angefangen, das Geld zu sparen und nach einem der besten Studio der Welt zu suchen. hahah

Recording

Zu dieser Zeit baute Mario ein kleines Studio bzw. einen Proberaum zu Hause in seinem Keller auf, und jede Woche trafen wir uns zu einer Session. Die Idee war, die Songs für das Studio vorzubereiten und zu überlegen, welchen Sound wir erzielen möchten, wie viele Effekte wir bräuchten, behalten wir die gleiche Song-Struktur von meinen Entwürfen oder nicht, wo und wie ich singen könnte, was geht und was nicht.

Eigentlich haben wir es nur aus Spaß gemacht. Aber wir waren wirklich überrascht, wie großartig der Sound sein kann. Nach jeder Session wurden die Songs und der Sound immer besser. Wir haben keinen Zeitdruck und können durch diesen Freiraum wirklich kreativ sein. Wenn etwas nicht funktionierte, gab es überhaupt kein Problem … wir konnten später zum Lied zurückkehren und etwas anderes ausprobieren.

Nach so erfolgreichen Sessions fragte ich mich: “Müssen wir das Album wirklich im Studio produzieren und viel Geld dafür ausgeben?”

1. Wir lieben den Sound, den wir haben;
2. Wir sind sehr kreativ und haben viel Zeit für Experimente und Gestaltung der Songs, falls erforderlich.
3. Wir können meine Vision folgen und sie verwirklichen.
4. Wir können die Songs selbst mischen;
5. Und es ist alles kostenlos!

Ich dachte, wir könnten einen guten Sound nur im professionellen Studio und mit professionellen Equipment erreichen – quatsch! Heutzutage gibt es so viel Software, dass es möglich ist, zuhause einen coolen Sound ohne Verstärker oder analoge Effekte zu erzielen.

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Alles, was man brauchst, ist:

  1. Rechner oder Laptop;
  2. Audio-Interface;
  3. Software und ein paar Plugins;
  4. Monitor-Boxen;
  5. Deine Instrumente;
  6. Kreativer Kopf.

Normalerweise dauert es eine Weile, bis alle Plugins eingestellt sind, um einen guten Sound zu erzielen und einen eigenen Sound zu finden, aber ein bisschen Geduld und dein kreativer Kopf machen es möglich. Manchmal kann sogar das billigste Plugin ein großartiges Ergebnis liefern (um ehrlich zu sein, ist es aber selten). Außerdem findet man zahlreiche Tutorials zum Thema “Musikproduktion” auf YouTube, die dich weiter bringen können.

Kleines Budget – na und?

Im Durchschnitt kostet ein Tag im middle-class-Studio (ca. 8 Stunden; wenn du eine nette Person bist, könntest du dort evtl. 10-12 Stunden lang arbeiten) 300-400 €. Für die Aufnahme eines Albums (z. B. 12 Songs) benötigt man ca. 2 Wochen. Wenn du sehr gut bist – vielleicht 10 Tage. Die Aufnahme kostet also ca. 3000-4000 € (falls es gut läuft). Als ich die Gitarren für “Trigger” aufgenommen habe, ist die Sicherung meines Verstärkers durchgebrannt und es dauerte ungefähr 4 Stunden, bis der Amp wieder funktionierte (eine lange Geschichte …). In solchen Fällen muss man ein oder zwei Studiotage mehr buchen, um auf der sicherer Spur zu bleiben.

Aber du KANNST deine Sachen mit einem kleinen Budget aufnehmen. Selbst wenn du Geld hast und alles in die Produktion steckst – wen interessiert das? Meiner Meinung nach, würde ich lieber einmal in meine eigene Ausrüstung investieren, als jedes Mal Tausende von Euro für eine neue Produktion zu zahlen.
Und wieder – wen interessiert das? Die Leute hören heutzutage meistens MP3. Wen interessiert es, dass du ein analoges Mischpult, 5 Amps und 6 Mikrofone für eine von fünf Gitarren verwendest? Wen interessiert der komplexe Mischprozess? Wen interessiert es, dass du in den letzten fünf Jahren keinen Urlaub hattest, nur weil du das Geld für die nächste Produktion bräuchtest?

Mixing

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Das Mischen würde auch ziemlich viel Geld kosten (Mittelklasse-Studio in Deutschland nimmt ca. 1200-2500 € für ein Album) und am Ende läuft alles so, dass du zusammen mit dem Mischer sitzt und ihm sagst, wie der eine oder andere Song klingen soll, ODER du schreibst viele E-Mails und versuchst den gewünschten Sound in den verschiedenen Songsabschnitten zu beschreiben.

Bei David Bottrill war das kein Problem. 4 oder 5 Mal habe ich DIN A4-Blatt mit Korrekturen abgeschickt (und zwar bei jedem Song) und am nächsten Tag hatte ich bereits die neue, korrigierte Version erhalten. Es hat einfach perfekt funktioniert! Einige unserer Ideen sind aufgrund der “Besonderheiten” unserer Aufnahme nicht umsetzbar waren, aber mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden.

Aber es kann auch in eine andere Richtung gehen – du versuchst, einige Abschnitte und die Effenkte zu beschreiben, aber der Typ versteht dich einfach nicht und macht alles einfach nur lauter. In diesem Fall hast du drei Möglichkeiten: 1) “fuck it” zu sagen und zu versuchen, mit der schlechten Mischung zu leben; 2) mehr zu bezahlen, damit der Typ mehr Zeit investiert und dir die Mix No. 20 schickt; 3) oder ein anderes Studio zu suchen und für den neuen Mix wieder zu bezahlen.

Clear vision!

Wenn du eine klare Vorstellung von deiner Musik und ein wenig Erfahrung hast, brauchst du keine Tontechniker. Du bist frei und kannst so viele Mixe machen wie du willst, eine Woche später zum Song zurückkehren und etwas ändern – du bist der Boss.

Bestes Beispiel ist die Band “Muse“. Okay, die Jungs nehmen ihre Musik in den besten Studios der Welt auf, aber sie produzieren sie selbst. Die Ingenieure spielen eine untergeordnete Rolle und die Jungs sitzen in der Regie, nehmen sich gegenseitig auf, experimentieren viel und machen einen Rough Mix (genau so haben “Queen” gemacht) – für mich ist es das gleiche, nur nicht im größten Studio der Welt, sondern zu Hause. Für mich ist es die beste Art und Weise und es funktioniert.

Mastering

Das Mastering kann für dein Portemonnaie weniger schmerzhaft sein, ist aber auch teuer, je nachdem, wer es macht (ca. 500 – 1500 € für ein Album, Mittelklasse-Studio). Dabei muss man Folgendes beachten: entweder bringt das Mastering deine Msuik zum Leben, oder du merkst überhaupt keine Änderungen.

Bei David Bottrill war das die erste Option. Irgendwann fühlte ich sowas wie “das ist es”. Genau so habe ich es mir vorgestellt. Uns ist aufgefallen, wie die Songs verändert wurden und schöner geworden sind.

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Es besteht aber immer die Gefahr, dass es schief geht. Als wir “SR” aufgenommen haben, kam ein Typ ins Studio und sagte zu mir, er könne meine Songs sehr professionell und für weniger Geld mastern. Nach 3 Tagen habe ich die Songs bekommen und alles, was er geändert hat, war die Lautstärke! haha Die Songs waren nur ein bisschen lauter … Ich habe diesen Kerl nie wieder gesehen. Zum Glück habe ich ihm nicht im Voraus bezahlt.

iZotope Ozone 8 Advanced, welches für’s Mastering perfekt ist, kostet rund um 350 Euro. Investierst du etwas mehr Zeit, um gute Presets zu erstellen und kannst das Plugin jahrelang für deine Musik und andere Produktionen verwenden.

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Zusammenfassung:

Wenn wir also die Kosten zusammenfassen, kostet die Veröffentlichung eines Albums ungefähr 7000 € + zusätzliche Kosten für CD-Design, Presswerk, Vertrieb und Promotion! Möchtest du wirklich diesen Weg gehen? Bist du sicher, dass du das Geld durch CDs-Verkauf und Gigs in lokalen Clubs zurückbekommen kannst?

Wenn ja, mach das!

Wenn nein, investiere dieses Geld für dein Heimstudio oder deine Band-Promotion oder gib es einfach für’s Reisen aus! Nimm dir etwas Zeit und überlege, was du aus deiner Musik und deinem Equipment machen kannst. Verlass dich nicht auf ein Studio – es wird dir nicht helfen!

In Bezug auf Plattenlabels – sie bieten dir einen Deal nicht wegen deiner Musik oder weil du eine großartige Person bist, oder wegen der Aufnahmequalität, sondern wegen des Publikums, welches du bereits hast. Das ist der Schlüssel. Deine Chancen ohne große Fanbase sind sehr gering, egal welche Art von Musik du machst und wie gut dein Album ist. Sie wollen nur dein Publikum – letztendlich ist es ein Business. Wenn du ein Deal bekommst, das bedeutet, die Plattenfirma oder ein Label sieht in dir die Möglichkeit, gut Geld zu verdienen. Aber wenn du schon eine ziemlich stabile Fangemeinschaft aufgebaut hast – warum brauchst du überhaupt ein Label? – aber das ist ein anderes Thema.

Wenn deine Musik aus deinem Herzen läuft, wird sie sowieso den Leuten gefallen, egal wo und wie sie aufgenommen wurde! Bleib dran und gib nie auf!

Eugene.

Ein passendes Recording Studio – Teil 2

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